Problemhintergrund

Der 2. Kreisaltenplan (1998) des Kreises Unna, der sich im wesentlichen auf die Pflichtaufgaben nach dem Landespflegegesetz bezieht, geht davon aus, daß weiterhin mit einer wachsenden Zahl alter Menschen zu rechnen ist, die Anfang dieses Jahrtausends die 100.000 Grenze erreicht haben wird. Hierbei handelt es sich lediglich um eine statistische Größe der Gruppe der 60jährigen und der älterer Menschen. Aus verständlichen Gründen sind die Probleme der “Verjüngung des Alters” in dieser Art der Altenplanung nicht erfasst. Die Gruppe der “jungen Alten”, der vorzeitig “Entpflichteten und Entberuflichten” ist aber für die offene Altenarbeit nicht unbedeutend. Die Zahl der “jungen Alten” dürfte weit über 20.000 liegen. Hierbei handelt es sich um immer jüngere Altersgruppen, die von eigentlich für das Alter typischen Situationen betroffen sind. Belegt wird dieses durch den immer früheren Abschluß der Familienphase und die immer frühere “Entpflichtung” von Erziehungsaufgaben. Besondere Bedeutung hat hierbei die stetige Vorverlegung des durchschnittlichen Berufsaustrittalters. Neue Gruppenbezeichnungen sind entstanden, z.B. Frührentner, Vorruheständler und ältere Langzeitarbeitslose.

Diese Senioren verteilen sich im Kreis Unna auf 10 Städte und Gemeinden in den verschiedensten Größenordnungen von ca. 18.000 bis fast 100.000 Einwohnern, und zwar in der Ballungsrandzone rund um die Großstadt Dortmund.

Sowohl aus der unterschiedlichen Größenordnung als auch aus den unterschiedlichen Strukturen (ländlicher/städtischer) ergeben sich erhebliche Unterschiede in der offenen Altenarbeit. Eine gemeinsame Grundstruktur aber ist auch für einen Kreis geboten, wie sie etwa in vielen kreisfreien Städten mit ihren Ortsteilen vorhanden ist.

Neue Anforderungen an die offene Altenarbeit ergeben sich insbesondere aufgrund von Veränderungen in den sozialen Bindungen älterer Menschen. In Nordrhein-Westfalen sind fast die Hälfte der Altenhaushalte Einpersonenhaushalte. Der Zwei- oder gar Drei-Generationen-Haushalt wird immer seltener. Diese Situation ist deshalb so gravierend, weil mit dem Alter in der Regel eine Desozialisation verbunden ist (z.B. Ausscheiden aus der Arbeitswelt).

Auch haben sich für praktische Altenhilfe bedeutende Familienstrukturen verändert. Die Verkleinerung der Familiengrößen, steigende Scheidungsraten, rückläufige Wiederverheiratungsraten, sinkende Kinderzahlen und Zunahme der Frauenerwerbstätigkeit ergeben die Konsequenz sinkender Hilfe- und Pflegebereitschaft.
Die Familie als erste Hilfsinstanz wird mehr und mehr an Bedeutung verlieren und zwar insbesondere vor Eintritt der Pflegeversicherung zur Aufrechterhaltung eines selbstbestimmten Lebens in der eigenen Wohnung. Professionelle komplementäre Dienste werden die entstehende Betreuungs- bzw. Pflegelücke nicht ausfüllen können. Schon heute kann der vorhandene Bedarf wegen der fehlenden Gelder nur mangelhaft abgedeckt werden und künftig reichen die Pflegekräfte wegen des demographischen Wandels nicht aus.